Beschaffung Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Reinigungsmittel

 

Reinigungsmittel als Steuerungsinstrument für Umwelt und Gesundheit 

Aufgrund der Marktzahlen (2017) des  Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel e. V. (IKW) ergeben sich für Deutschland jährlich ca. 530.500 Tonnen Chemikalieneinträge durch Wasch- und Reinigungsmittel (WRM) aus privaten Haushalten ins Abwasser (2015), darunter sind z. B.
• ca. 185.000 Tonnen Tenside,
• ca.   20.000 Tonnen Phosphate,
• ca.     9.000 Tonnen Duftstoffe ,
• ca.     5.500 Tonnen Enzyme,
• ca.     4.500 Tonnen Phosphonate,
• ca.        450 Tonnen Optische Aufheller,
• ca.        500 Tonnen Silikone.

Hinzu kommen unbekannte Mengen gewerblicher und industrieller Reinigungsmittel oder auch die, die durch den öffentlichen Sektor eingekauft und genutzt werden.

Um die Umweltwirkungen bei WRM möglichst zu minimieren, können folgende Stellschrauben bedient werden:
1. Die Reduzierung des Einsatzes von WRM beim Reinigen / Waschen
2. Wahl umweltfreundlicher Inhaltsstoffe in Wasch- und Reinigungsmitteln
3. Umweltfreundliches Verpackungs- oder Produktdesign

Zuerst stellt sich also die Frage nach der Notwendigkeit einer Reinigung und/oder möglicher Hilfsmittel, wie z.B. Fußmatten. Danach geht es um Mengen/Dosierung und Produktvielfalt.
Im zweiten Schritt sollten die reinigungsbestimmenden bzw. funktionsbestimmenden Komponenten eines Produktes im Vordergrund stehen, um begrenzte Rohstoffe  und die Umwelt zu schonen.

Zu den Inhaltsstoffen mit reinigender Wirkung zählen Tenside, Alkalien/Basen bzw. alkalische Salze, Säuren bzw. saure Salze, Oxidationsmittel, Reduktionsmittel, Lösemittel, Enzyme und Abrasivstoffe.

Besonders Produkte auf Tensid-, Säure- und Lösemittelbasis bringen chemische Voraussetzungen mit, um aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden zu können.

Typische Einsatzbereiche für diese gut verfügbaren Produkte sind:
• Wischpflegemittel, Allzweckreiniger- und Neutralreiniger, Glasreiniger,
• Sanitärgrund- und Unterhaltsreiniger, WC-Reiniger,
• manuelle Spülmittel, Geschirrspültabs, Entkalker,
• Waschmittel (Voll-/ Fein-/ Bunt-), Waschhilfsmittel (Fleckenentferner),
• Handwaschseifen, Haut- und Haarreiniger.

Umweltaspekte, gute Verträglichkeit und biologische Abbaubarkeit sind Vorteile bei Reinigungsmittel aus nachwachsenden Rohstoffen.
 

Unter den anerkannten Umweltzeichen fordert einzig der Blaue Engel über die UZ 194 (Handgeschirrspülmittel, Allzweck-, Sanitär und Glasreiniger), UZ 202 (Waschmittel) und UZ 203 (Shampoos, Duschgele und Seifen etc.) nachwachsende Rohstoffe als Anforderungskriterium für die Zertifizierung. Bisher finden sich nur unter der UZ 194 einige Produkte.

Die anderen anerkannten Umweltzeichen fordern allenfalls bei der Verwendung von Palmöl im Produkt, einen Nachweis über den nachhaltigen Anbau.

Andere Zertifikate treffen lediglich Aussagen über den Anteil nachwachsender Rohstoffe am Produkt. Das Vorhandensein nur weniger zertifizierte Produkte mag dem Umstand geschuldet sein, dass viele innovative biobasierte Reinigungsprodukte von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) hergestellt und vertrieben werden. Sie verfügen weder über die personellen noch finanziellen Mittel für kostspielige und aufwändige Zertifizierungen. Auch biobasierte Produkte ohne Umweltgütezeichen können aber hervorragende Reinigungseigenschaften haben.

Die FNR hat eine Marktstudie in Auftrag gegeben, bei der die Bedarfe an Wasch- und Reinigungsmitteln im öffentlichen Sektor ermittelt und mit den am Markt verfügbaren WRM aus nachwachsenden Rohstoffen abgeglichen wurden. Danach können bis auf WC-Beckensteine und Kunststoffreinigern alle konventionellen Produkte durch biobasierte ersetzt werden.

ProduktgruppeAnwendungsbereichAnteil Beschaffungvolumen innerhalb der Produktgruppe
Oberflächen- und BodenreinigerAllzweck-/Neutralreiniger   Glasreiniger43%                                                   38%
SanitärraumreinigerSanitärunterhaltsreiniger              WC-Reiniger39%                                                  27%
Küchen- und Geschirrreiniger(Salz zur Enthärtung)                  Manuelle Spülmittel(58%)                                                21%
Waschmittel für TextilienVollwaschmittel /Alleinwaschmittel56%
Hand- und KörperhygieneHandseifen (flüssig)73%
DesinfektionsmittelHaut- und Händedesinfektion73%

Beim Kaufhaus des Bundes (KdB) wurden diese Produktgruppen und Anteile am Beschaffungsvolumen ermittelt, die vermutlich als Standard im Bereich der WRM-Beschaffung im öffentlichen Sektor gelten können. Allerdings sind die WRM, die über externe Reinigungsdienstleister beschafft werden hier nicht erfasst.

Die Langfassung der Marktstudie ist hier verfügbar: Marktstudie „Nachhaltige biobasierte Wasch- und Reinigungsmittel (WRM)

Blauer Engel
Es gibt verschiedene zertifikate für den nachhaltigen Anbau von Palmöl. Das FONAP hat sie gelistet.
 

Handlungsempfehlungen

  • Marktrecherche ist Voraussetzung für verändertes Einkaufsverhalten und die Berücksichtigung von Umweltaspekten.
  • Gezielte Berücksichtigung von Umweltkriterien bei den reinigungsrelevanten Bestandteilen und die Forderung von einem Mindestanteil an nachwachsenden Rohstoffen in den Leistungsbeschreibungen.
  • Rahmenverträge sind in Lose aufzuteilen, damit auch KMU eine Möglichkeit haben, sich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen und umweltfreundliche biobasierte Produkte berücksichtigt werden können.
  • Bieterdialoge können zu Händlerverbünden führen, die eine Teilnahme an Ausschreibungen auch vor dem Hintergrund der Vergabe erleichtern.
  • Einkaufsgemeinschaften ermöglichen wirtschaftliche Vorteile, wenn Umweltaspekte beim Einkauf berücksichtigt werden sollen.
  • Bei der Vergabe von Reinigungsdienstleistungen sind Umweltkriterien bei den eingesetzten Produkten vom Auftraggeber vorzugeben und beim Zuschlag zu berücksichtigen.
  • Die Bereitstellung von Musterformulierungen kann ein verändertes Einkaufsverhalten unterstützen.
  • Eine zentrale Beschaffung spart Kosten und schont die Umwelt.
 

 

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