Beschaffung Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Berufsbekleidung & Textilien

Nachhaltig anziehen und ausstatten

Das „Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit“ der Bundesregierung sieht vor, dass die Behörden des Bundes ab 2020 die Textilbeschaffung zu 50 % (ausgenommen Sondertextilien) nach ökologischen und sozialen Kriterien ausrichten. Dieser Beschluss bietet die Chance umweltfreundlichen Pflanzenfasern eine größere Marktbreite zu schaffen.

Die Textil- und Bekleidungsindustrie zählt zu den wichtigsten Konsumgütermärkten in Deutschland.
Bei der Erzeugung sind die Rohstoffquellen, der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln und Düngern, der Wasserverbrauch, etwaiger Raubbau oder der Tierschutz die wichtigsten umweltpolitischen Herausforderungen. Kunstfasern werden aus Erdöl hergestellt, sie haben einen dreimal größeren CO2-Fussabdruck als Baumwolle. Synthetische Fasern benötigen große Mengen an Energie und werden unter Einsatz von Produktionschemikalien hergestellt. Dazu kommen ggf. sowohl bei Naturfasern als auch bei Kunstfasern Verletzungen von Arbeits- und Menschenrechen entlang der Lieferkette zum Tragen.

Vor diesem Hintergrund wurde das „Bündnis für nachhaltige Textilien“ ins Leben gerufen.

„Das Bündnis für nachhaltige Textilien ist eine Multi-Akteurs-Partnerschaft mit rund 120 Mitgliedern aus Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und Standardorganisationen. Sie alle wollen als starkes Bündnis gemeinsam die Bedingungen in der weltweiten Textilproduktion verbessern – von der Rohstoffproduktion bis zur Entsorgung.“ Quelle: https://www.textilbuendnis.com/

Im Rahmen dieser Aktivitäten, wurde der „Grüne Knopf“ als staatliches Siegel für nachhaltige Textilien eingeführt.

Weitergehende Informationen: https://www.gruener-knopf.de/?gclid=EAIaIQobChMIy9jGkISw5gIVEMjeCh39ZAinEAAYAiAAEgIByfD_BwE

Die Anforderungskriterien für dieses Zertifikat werden in unterschiedlicher Ausprägung auch von vorhandenen Gütezeichen abgedeckt. Siehe: https://beschaffung.fnr.de/umweltzeichen/textilien/

Beim Global Organic Textile Standard (GOTS) müssen Textilprodukte, mindestens aus 70% biologisch erzeugten Naturfasern bestehen. Alle eingesetzten chemischen Zusätze, wie z. B. Farbstoffe und Hilfsmittel, müssen bestimmte umweltrelevante und toxikologische Kriterien erfüllen.

Baumwolle

Ein Großteil der Baumwolle auf dem Weltmarkt stammt aus Usbekistan, Indien, Pakistan und Ägypten. Konventionell erzeugte Baumwolle wird zumeist in riesigen Monokulturen angepflanzt, was sie sehr anfällig für Schädlinge und Krankheiten macht. Der dadurch notwendige massive Einsatz von Pestiziden hat Auswirkungen auf die Gesundheit der Feldarbeiter sowie auf die Umwelt.

Die Artenvielfalt verringert sich, Böden versalzen und der Anbau verschlingt große Flächen, die nicht mehr für andere Nutzungen zur Verfügung stehen. Zudem benötigt Baumwolle viel Wasser, was in niederschlagsarmen Anbaugebieten zu Konflikten führt.

Baumwolle hat sehr gute Trage- und Pflegeeigenschaften. So ist das Material sehr hautfreundlich und kann bis zu 20 % des Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und nach außen transportieren.

Textilien aus Naturbaumwolle sind sehr widerstandsfähig, mottensicher und können auch bei hohen Temperaturen gewaschen werden. Zudem ist Baumwolle verhältnismäßig preisgünstig. Sie ist die beliebteste und mit Abstand die am häufigsten eingesetzte Naturfaser für Heim- und Bekleidungstextilien.

Durch den Einsatz von Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) können negative Umweltauswirkungen reduziert werden. Im Gegensatz zum konventionellen Baumwollanbau ist der Einsatz von chemischen Pestiziden und Düngemitteln beim Anbau von Bio-Baumwolle verboten. Stattdessen wird mit natürlichen Düngemitteln wie Mist und Kompost gearbeitet. Das verbessert die natürliche Bodenfruchtbarkeit und erhöht den Humusanteil des Bodens, sodass mehr Wasser und CO2 gespeichert werden kann. Zudem muss ein Fruchtwechsel eingehalten werden. Bio-Baumwolle wird im Gegensatz zur konventionellen Baumwolle nicht in Monokulturen, sondern im Wechsel mit anderen Kulturen angebaut. Das schützt den Boden und beugt der Vermehrung von Schädlingen und Krankheiten vor.

Leinen
Die Leinenfaser wird aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen und gehört zu den Bastfasern. Leinenfaser ist gut teilbar und fein verspinnbar und somit zur Produktion von Wäsche und Kleidung bestens geeignet. Die Faser ist bakteriozid und schmutzabweisend. Leinen kann bis zu 35% Luftfeuchtigkeit aufnehmen und tauscht diese Feuchtigkeit auch schnell mit der Umgebungsluft aus. Zudem ist Leinenfaser sehr reißfest.

Lyocell/Tencel
Lyocell oder auch Tencel ist eine industriell hergestellte Regeneratsfaser, die im Direkt-Lösemittelverfahren aus Zellulose produziert wird. Zunächst werden kleine Holzschnipsel eingeweicht, um den Zellstoff zu extrahieren. Dieser wird dann mit einem ungiftigen Lösemittel herausgelöst und weiterverarbeitet. Das verwendete Lösemittel kann leicht aus der Faser entfernt und wiederverwendet werden.

Der Stoff ist formbeständig, reißfest, absorbiert 50 % mehr Feuchtigkeit als Baumwolle und gibt diese wesentlich schneller an die Umgebung ab. So entstehen weniger Bakterien und Gerüche. Die Fasern weisen eine hohe Trocken- und Nassfestigkeit auf. Lyocell stellt eine ökologisch sinnvolle Alternative zu anderen Kunstfasern, aber auch zu Baumwolle dar.

Die Faser wird vor allem aus Eukalyptusholz gewonnen, dass viel weniger Wasser benötigt, als es beim Baumwollanbau der Fall ist. Zudem ist die Faserausbeute sehr viel höher. Bei der Produktion kommen keine Pestizide zum Einsatz. Anders als chemische Fasern ist Lyocell biologisch abbaubar und kann kompostiert werden.

Mischgewebe
Häufig werden auch Textilien aus Mischgewebe angeboten, die zum Teil aus Baumwolle und zum Teil aus Kunstfasern bestehen. Das erschwert das ohnehin noch in den Kinderschuhen steckende Recycling von Textilien zusätzlich. Das Verfahren zum Recycling von Mischgewebe ist technisch kompliziert, teuer und benötigt viel Energie. Zudem ist das Produkt oftmals von deutlich schlechterer Qualität als die ursprüngliche Faser. Sortenreine Textilien lassen sich nicht einfach recyceln. Auf Sortenreinheit zu achten, erhöht aber zumindest die Kreislauffähigkeit des Produktes.

Unter www.naturtextil.com finden Sie weitere Informationen.

Praxistipp für die nachhaltige Textilbeschaffung:

  1. Was muss das Kleidungsstück oder das Wäschestück leisten? Welche Anforderungen stellt der Bedarfsträger?
  2. Markt erkunden, z.B. www.die-nachwachsende-produktwelt.de
  3. Kriterienkataloge der entsprechenden Gütezeichen prüfen und wichtige Kriterien für die Leistungsbeschreibung übernehmen.
Nachhaltige Berufsbekleidung in der Kantine des Krankenhauses Konstanz, Quelle: Michael Schnurr/FNR
Nachhaltige Textilien – sozial und umweltfreundlich, Quelle: Michael Schnurr/FNR
nachhaltige Berufsbekleidung in der Werkstatt des Fuhrparks vom Entsorgungsbetriebe Stadt Konstanz
Nachhaltige Textilien – sozial und umweltfreundlich, Quelle: Michael Schnurr/FNR

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