Beschaffung Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

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Pflanzliche Rohstoffe für Besteck und Geschirr

Der NABU Deutschland hat im Rahmen einer Studie ermittelt, dass wir in Deutschland jährlich 350.000 Tonnen Abfall durch Einweggeschirr und To Go-Verpackungen produzieren. Hinzu kommen die zunehmende Verknappung der Ressourcen, ein fortschreitender Klimawandel und eine zunehmende Vermüllung der Weltmeere. Müllberge von Plastikeinweggeschirr und -flaschen – nicht nur nach Großveranstaltungen - machen den Handlungsbedarf in mehrfacher Hinsicht besonders anschaulich.

Deswegen sollte grundsätzlich Mehrweg vor Einweg gelten!

Plastikverbot
Wenn das Plastikverbot der EU zum Juni 2021 umgesetzt wird, sind Einweg-Cateringgeschirr und Besteck auch aus biobasierten Kunststoffen nicht mehr zugelassen. Lediglich Produkte aus PLA (Polymilchsäure) dürfen dann noch am Markt angeboten werden.

Wiederverwendbare Becher und wiederverwendbares Geschirr sind in einer Reihe Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen auf dem Markt verfügbar und teilweise sogar spülmaschinenfest.

Bei wiederverwendbaren Bechern für Heißgetränke, ist Bambus, verstärkt mit Melaminharz und Maisstärke eine beliebte Option. Bambus wächst schnell und regeneriert sich nach der Ernte. Allerdings sind die Becher auf Grund der Zusatzstoffe meist nicht biologisch abbaubar und gesundheitlich nicht unkritisch. Alternativen sind aus Reishülsen oder Kaffeesatz am Markt verfügbar. Entsprechende Produkte finden Sie hier: https://www.die-nachwachsende-produktwelt.de/fuer-beschaffer/produktwelt/messebau-catering/geschirr-besteck/

Eine weitere Variante, um Abfall zu vermeiden, setzt auf essbares Geschirr. Diese Produkte sind allerdings aktuell noch innovative Nischenprodukte. Beispiele hierfür sind Eisbecher aus Algen , Kaffeebecher aus Keks  oder Teller aus Weizenkleie.

Einwegprodukte können bei einer ganzheitlichen Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus nachhaltiger sein als Mehrwegprodukte. Sie erfordern häufig wesentlich weniger Energie und Ressourcen in der Herstellung, keine Reinigung und weniger Mitarbeiter.

Die Analyse der Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus (Life Cycle Assessment – LCA) ist somit vom Rohstoff, dem Herstellungsprozess und dem tatsächlichen Einsatz abhängig. Darüber hinaus können Einwegprodukte gerade bei Großveranstaltungen aus hygienischen Gründen von Vorteil sein, um gesetzlichen Vorgaben für Lebensmittelsicherheit zu genügen. Manche Einwegprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen tragen weiterhin dazu bei, global fairere Arbeitsbedingungen zu erreichen. So werden beispielsweise Teller aus Palmblättern teilweise explizit sozial-verantwortlich hergestellt. Dieser Aspekt kann für öffentliche Verwaltungen zusätzlich entscheidend sein, wenn neben Umweltaspekten auch soziale Verantwortung als Ziel verankert ist, beispielsweise als „Fair Trade Town“.

Bei Bechern für Kaltgetränke ist PLA (Polymilchsäure) als Material verbreitet. Das Material kann z.B. aus Mais-, oder Kartoffelstärke gewonnen werden, ist biologisch abbaubar und bis 40 Grad hitzebeständig.  Es ist transparent und wird auf dem Markt von verschiedenen Herstellern angeboten. Um nicht andere Abfallströme zu verunreinigen, in denen konventionelle erdölbasierte Kunststoffe oder Drop-In-Lösungen, die die gleiche chemische Struktur wie herkömmliche Kunststoffe aufweisen, sollten diese Becher separat gesammelt werden. Die passenden Deckel aus CPLA (Crystallised Polyactid) können durch den Zusatz von Talkum, welches kristallisiert, hitzebeständiger werden. Allerdings verliert das Material dadurch seine Transparenz.

Weitergehende Informationen zu biobasierten Kunststoffen finden Sie hier: https://biowerkstoffe.fnr.de/biokunststoffe/einfuehrung/

Für Heißgetränke bieten sich klassische Kartonbecher an, die ggf. mit PLA beschichtet sind und deren Rohstoff „Holz“ durch PEFC oder FSC zertifiziert sein sollte. Für Geschirr gibt es eine Reihe unterschiedlicher Lösungen. So sind z.B. Teller, Schüsseln und Servierplatten aus Palmblatt in vielen Formen verfügbar. Palmblattprodukte können ohne künstliche Beschichtungen auskommen, sind backofenfest, lebensmittelecht und wasserabweisend. Damit sind sie auch direkt kompostierbar. Palmblattgeschirr kann fair produziert werden und der Rohstoff kann durch Mischkultur nachhaltig angebaut und gewonnen werden. Das Material wird als hochwertig und ästhetisch empfunden.

Bagasse ist ein Nebenprodukt, und zwar aus der Zuckerproduktion. Teller, die aus Bagasse hergestellt werden, benötigen keine Zusatzstoffe oder Beschichtung und sind dennoch durchweichresistent.

Bei Besteck gibt es formstabile und hochwertige Varianten aus CPLA (Crystallised Polyactid). Dies ist milchig und wird meist schwarz oder beige eingefärbt. Es ist ohne Zusatz von erdölbasierten Komponenten auf dem Markt verfügbar. Besteck-ähnlich sind Sticks aus Bambus oder Holz, mit denen beispielsweise Käse serviert oder Obstsalat gegessen werden kann.

Natürlich kann Geschirr und Besteck auch aus Holz bzw. Pappe sein. Beides ist biologisch abbaubar, aber nicht für alle Lebensmittel geeignet. Auch hier gelten die entsprechenden Gütezeichen (PEFC oder FSC) für den Nachweis einer nachhaltigen Waldwirtschaft.

Broschüre zum Download: Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen; http://imperia.verbandsnetz.nabu.de/imperia/md/content/nabude/abfallpolitik/2018_nabu_broschuere_einweggeschirr_to-go.pdf

Besteck aus Holz vorzugsweise aus nachhaltiger Waldwirtschaft / www.naturesse.de
Besteck aus Holz vorzugsweise aus nachhaltiger Waldwirtschaft / www.naturesse.de
Becher aus Reishülsen / Copyright Crafting Future GmbH
Becher aus Reishülsen / Copyright Crafting Future GmbH

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